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Henan-Rückblick

Wieder in Beijing und mit geregeltem Alltag – endlich wieder Zeit zum Aktualisieren. Die knappe Woche in Henan war sehr ereignisreich und anstrengend. Und natürlich sehr schön. Die Tagung vor allem war sehr anstrengend, jeden Tag waren wir um 7 Uhr beim Frühstück und erst gegen 21 Uhr wieder im Hotel. Neben den eigentlichen Vorträgen war auch das Essen ein wichtiger Bestandteil der Tagung. Ein Gefühl wie Weihnachten, wirklich. Morgens ein umwerfendes Buffet, mittags ein durchschnittliches Buffet und abends dann wieder ein Festmahl. Am ersten Abend (5.4.) gab es ein Essen mit einer der Spezialitäten aus Zhengzhou, nämlich einer wirklich tollen Nudelsuppe (selbstverständlich war die Suppe nur ein winziger Bestandteil). Am zweiten Abend (6.4.) gab es ziemlich noble Speisen in einem Restaurant der Uni Zhengzhou und am dritten Abend (7.4.), dem Abschiedsabend, wurden wir in das Restaurant „Golden Hans“ ausgeführt. Das ist eine Kette mit Filialen überall im Land. Die Bedienungen tragen Dirndl und es gibt alles mögliche vom Grill (Hähnchen, Rind, Schwein, Bananen, Tintenfisch, Mais, Riesengarnelen, Wurstkugeln etc.). Und dazu ein Buffet, bestehend aus chinesischen Vorspeisen, westlichen Salaten und Schaumstoffkuchen. Die Dekoration im Restaurant hat das Thema „Bier“ und dieses kann man dort auch en masse bekommen; am liebsten in überdimensionalen Seifenspendern. Kurz: das Restaurant ist unter den Einheimischen total beliebt.

Am Freitag (8.4.) waren wir mit der Tagungsgesellschaft im Shaolin-Kloster. Dieser wohl berühmteste Gongfu-Wallfahrtsort war in erster Linie überfüllt. Wir haben einer Gongfu-Vorführung beigewohnt (s. Videos), den eigentlichen Tempel besucht (vergleichsweise unspektakulär) und den größten Pagodenwald Chinas gesehen (sehr schön). Insgesamt kam Reisegruppenfeeling auf, was gar nicht mein Fall ist („Sie haben jetzt eine Stunde für die Tempelbesichtigung, um 12.30 Uhr treffen wir uns am Ausgang“); abgesehen davon war es ganz interessant aber keineswegs ein Highlight.

Nach der Shaolin-Besichtigung haben wir uns drei Studenten angeschlossen und sind mit dem Bus nach Luoyang gefahren. Der Bus war eine totale Schrottlaube und die Fahrt ging nur mühsam voran (Staus wegen LKW, die im Gegenverkehr gefahren sind und ein Streit um 20¥ (etwas mehr als 2€) zwischen Schaffnerin und einer Passantin). In Luoyang angekommen wurde wir aber sehr positiv von unserer Jugendherberge überrascht. Eine wirklich tolle Bleibe für junge Leute aus aller Welt mit niedrigen Preisen (50¥/Nacht) und schönem Ambiente. Den Abend haben wir mit einem Bummel durch die wirklich wunderschöne Altstadt verbracht und dort auf dem Nachtmarkt auch gegessen. Den folgenden Tag haben wir früh begonnen und sind zu den berühmten Longmen-Grotten 龙门石窟 gefahren. Auch dort war die Hölle los, aber die Grotten lohnen sich. Traurigerweise haben nur noch ganz, ganz wenige der vielen tausend Buddha-Statuen einen Kopf: Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie von den Europäern zerstört. Viele fehlen auch ganz. Auf der Westseite des Flusses, an dem die Grotten sind, befinden sich noch zwei Anlagen: Der Xiangshan 香山-Tempel und der Bai-Garten von Tang 唐-Dichter Bai Juyi 白居易. Vor allem letzterer ist ein ganz wunderbarer Garten mit Teichen, Hügeln, Palmen, Kirsch- und Mandelblüten, einem Teehaus und vielen verwunschenen Ecken. Nach dem Ausflug zu den Grotten haben wir noch gemeinsam die große Spezialität aus Luoyang, Shuixi 水席, gegessen. Shuixi sind verschiedenen Suppen, sehr lecker.

Nach einem Spaziergang am Stadtfluss Luohe 洛河 sind wir um 23.08 Uhr wieder nach Beijing gefahren. Dieses Mal leider in der Kategorie hart sitzen. Überfüllte Wagen (wir hatten zum Glück Platzkarten) mit entweder schlechter Luft oder Klimaanlagen-Zug, unbequemen Sitzen und Neonbeleuchtung die ganze Nacht über. Einigermaßen zerknittert kamen wir dann früh morgens in Beijing an und haben uns erstmal über die gute Luft (!) gefreut – man glaubt es nicht, aber die Luft hier ist wirklich vergleichsweise gut.

Heute ist Montag und der Alltag hat wieder begonnen, was mir momentan auch ganz gut gefällt. Muki ist gestern Nacht noch geflogen und mittlerweile wieder in München. Meine letzten drei Wochen haben begonnen…

Abstecher nach Henan

Es werden mal wieder die Koffer gepackt. Allerdings sind wir nicht weit weg; es geht nach Zhengzhou 郑州 (Hauptstadt von Henan 河南), wo die alljährliche Interkulturelle-Germanistik-Tagung stattfindet. Ich wurde diese Woche einladen, teilzunehmen, und Muki kommt mit. Wir fahren heute Abend mit dem Nachtzug (hart liegen 硬卧) vom Westbahnhof los und sind dann morgen früh in Zhengzhou. Mittwoch und Donnerstag wird getagt und am Freitag ist ein Ausflug zum nahe gelegenen Shaolin 少林-Kloster (dieses berühmte Kampfsport-Kloster) geplant. Den Samstag verbringen wir dann noch in Luoyang 洛阳 und Sonntag früh sind wieder wieder in Beijing. Glücklicherweise haben uns einige Studenten beim Fahrkartenkauf geholfen – momentan sind ein paar Tage Ferien, d.h. alle Züge sind grundsätzlich ausgebucht. Man darf chinesische Feiertage nicht unterschätzen, die sind immer Auslöser von Völkerwanderungen. Aber wir hatten Glück. Wenn auch nur auf der Hinfahrt Plätze im Liegewangen.

Je nach Internetsituation in Henan gibts unter der Woche schon Bilder oder erst danach. 🙂