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Wieder zurück am Flughafen Hongkong. Hier regnet es seit 2 Stunden in Strömen; man kann sich vorstellen, wie es hier während der Regenzeit, die nun beginnt, ist. Wir haben einen früheren Flug nach Peking bekommen, aber der hat nun auch schon Verspätung wegen des Wetters. Macht nichts – das Flughafen-Wifi ist ganz großartig schnell.
Nach einer langen Reise ist das Heimkommen natürlich auch immer was feines – in diesem Sinne: bis bald!

Baibai, Hongkong!

Posted from Chek Lap Kok Airport, New Territories, Hong Kong.

10 000 ummauerte Karaokeaffen

Um nach dem Besuch des großen Buddhas noch etwas annähernd riesiges zu sehen, haben wir uns tags darauf für das Kloster der 10 000 Buddhas in den New Territories entschieden. Der Weg zum Kloster führt den Berg rauf – die Treppe ist rechts und links bereits von zig goldenen Buddhastatuen gesäumt, die zugegebenermaßen alle sehr seltsam und wenig würdevoll aussehen. Im Kloster gibt es zunächst einen großen, dicken, lachenden Buddha – außerdem noch einige andere Statuen. Und: Affen! Muki hat den ersten erst für eine große Katze gehalten, die dann aber erstaunlich flink den Baum hochklettern konnte. Dann haben wir auch die üblichen Verbotsschilder (beware of monkey, don`t feed the monkey) gesehen und dachten, dass es einen Klosteraffen gibt. Es war aber eine ganze Affenfamilie, die da zwischen den Bäumen und der öffentlichen Toilette hin- und hergeturnt ist. Interessanterweise sind die Äffchen immer wieder im Klohaus verschwunden…
Nach dem Klosterbesuch waren wir am Abend auf dem Temple Street Night Market ganz in der Nähe unseres Hostels. Dort kann man draußen sitzen und essen und außerdem ganz nett einkaufen. Beim Bummeln sind wir dann an mehreren Wahrsagern (von denen gibts viele in Hongkong!) und Karaokezelten vorbeigekommen. Die Karaokezelte waren alle direkt nebeneinander und „Zelt“ ist eigentlich auch schon sehr euphemistisch – das waren einfach aufgespannte Planen. Was ich sagen will: sowas wie Lärmisolierung war nicht vorhanden, sodass die jeweiligen Sänger lauthals gegeneinander angeplärrt haben. Interessanterweise kam nicht die gesamte Musik vom Band – in jedem Zelt war noch ein Typ am Keyboard, der scheinbar für musikalische Untermalung gesorgt hat. Die ganze Szene war sehr skurril.
Gestern war unser letzter ganzer Tag in Hongkong. Wir sind zum Kowloon Walled City Park gefahren. Dieser Park hat eine ganz interessante Geschichte: früher war das eine eigene kleine Stadt, umgeben von einer Mauer. Als England Ende des 19. Jahrhunderts zusätzlich zu Hongkong noch Kowloon und die New Territories pachten wollte, setzte China durch, dass die kleine ummauerte Stadt eigenständig bleiben sollte. Später dann diente die Stadt doch als Stützpunkt für England. Im Laufe des 20. Jahrhunderts bildete sich dann eine total enge, vollgebaute Stadt, die wohl eher Slums als Häuser hatte und extrem viele Menschen mehr schlecht als recht beherbergte. In den 80ern wurde dann entschieden, dass diese Slums abgerissen werden müssen und stattdessen ein Park in die Mauern gebaut werden soll. Und der ist wirklich schön geworden. Viele kleine und große Pavillons, Steingärten, Teiche, Bäche und auch ein Garten mit Statuen der Tierkreiszeichen (von denen gibts hier echt viele Darstellungen).

Heute haben wir gegen Mittag mit dem Katamaran Hongkong verlassen und sind jetzt in Macau, dem mediterranen Las Vegas Ostasiens.

Lantau

Lantau ist die große westliche Insel von Hongkong, an die auch die Flughafeninsel angeschlossen ist. Wir sind gestern früh mit der Fast Ferry hingefahren, bzw übers Wasser gehopst. Für nervöse Mägen wäre das nichts gewesen. Vom Hafen Mui Wo fuhr ein Bus, dessen Fahrgäste mit Ausnahme von uns einer Rentner-Kaffeefahrt glichen, zum Tian Tan Buddha, dem größten sitzenden Buddha unter freiem Himmel. Die Fahrt die kurvigen Bergstraßen hinauf wäre auch nichts für nervöse Mägen gewesen. Oben angekommen haben wir zusammen mit vielen anderen noch ein paar hundert Stufen auf uns genommen und wurden mit einer wirklich sehr schönen Buddha-Statue belohnt, außerdem mit einem tollen Ausblick auf das Meer und die Inseln. Dass der ganze Komplex erst 20 Jahre alt ist, merkt man gar nicht.

Anschließend sind wir weiter mit dem Bus nach Tai O gefahren, einem alten Fischerdorf auf Lantau. Auf dem Weg dorthin ist allerdings etwas passiert. Kurz nachdem der Bus losgefahren war, hielt er, um eine Gruppe Touristen aufzusammeln – optisch gleich als Deutsche zu erkennen. Das war aber noch nicht alles – als die Gruppe den Bus betrat, stellte sie sich als Fraktion des SV 49 heraus. Die Fahrt nach Tai O gab dem Wort „fremdschämen“ eine ganz neue Bedeutungsdimension. Ich kann nicht wiedergeben, über was die Schwaben geredet haben, aber es war laut und inhaltlich sehr dummes Zeug (Schuldzuweisungen, warum man nicht auf den Bus gewartet habe, sondern zu Fuß die paar Meter gegangen sei, siehschte, hab isch doch glei gesagt, da hätte mer gar nischt laufe müsse). Als wir diese Episode hinter uns gebracht hatten, mussten wir uns erstmal erholen. In Tai O sind wir durch die Straßen spaziert und haben die schäbige Idylle genossen, die dieser Ort ausstrahlt. Die Häuser der Bewohner sind zu großen Teilen provisorisch zusammengezimmert, teils aus Containern, teils aus Holz, teils auf Stelzen im Wasser – ich würde das auf keinen Fall als Slums bezeichnen, da die Häuser sauber, stabil und irgendwie keineswegs beklemmend oder dergleichen wirkten. Die Bewohner sind zum Teil immer noch Fischer und dementsprechend wird überall Fisch in allen Formen angeboten. Vor allem getrockneter Fisch ist überall zu kaufen – und zu riechen. Und sehr zu meinem Leidwesen gibt es auf Lantau viele große, unangeleinte Hunde, von denen man nicht so richtig sagen kann, ob es sich um Straßenköter handelt oder ob sie doch irgendeiner Hütte zuzuordnen sind. Naja, so schlimm war es auch nicht, aber ich habs ja von Haus aus nicht so mit den schnüffelnden Vierbeinern. Nach einem Strandspaziergang am Silvermine Beach in Mui Wo sind wir dann zurück nach Central gefahren und dort in die Livemusik-Bar The Wanch gegangen. Dort hat eine junge chinesische Band gespielt, hat uns sehr an unsere eigenen ersten Auftritte erinnert. Das Qingdao Bier in diesem Schuppen kostet 5,50€!

Den krönenden Abschluss des Tages gab es bei Ken Wo in seinem Restaurant One Dim Sum in Kowloon. Ken Wo hat in Zürich die Hotelfachschule besucht und spricht daher ein wenig Deutsch – lustigerweise mit schweizer Akzent. Er hat uns ganz rührend betreut – auf jeden Fall eine gute Adresse, denn das Restaurant ist auffallend günstig und hat einen Michelinstern.

Darfs ein bisschen anders sein?

Eine knappe Woche vor Ort und schon eine Reihe von Andersartigkeiten entdeckt. Im Vergleich zu v.a. Peking, versteht sich. Grundsätzlich ist anders nie besser oder schlechter – es ist eben anders. Was mir abgesehen von so Sachen wie Linksverkehr und anderer Währung aufgefallen ist:

die Leute
… sind mit Abstand die handyabhängigsten, die ich je gesehen habe – jeder guckt so gut wie immer auf sein Display, und darauf ist entweder whatsapp oder ein bejeweled mit Früchten zu sehen.
… sprechen wirklich fast alle wenigstens rudimentär Englisch.
… können ausgezeichnet Schlangestehen – mit Sicherheit ein Relikt aus der Kolonialzeit.
… haben deutlich häufiger große Hunde – aber auch Dackel wurden schon gesichtet.

das Ausland
… ist allgegenwärtig – und so werden langnasige Mitbürger, von denen es auffallend viele gibt, überhaupt nicht angestarrt.
… ist auch kulinarisch überall anzutreffen, manchmal muss man nach chinesischen Restaurants suchen.

die Spielregeln
… werden einem überall unmissverständlich klargemacht: rauchen – 5000$ Strafe, essen in der U-Bahn – 1500$ Strafe, außerdem unter Strafe stehen Dinge wie auf die Straße spucken, Müll auf der Straße abladen, die Hinterlassenschaft des Hundes nicht von der Straße wegräumen – womit wir beim nächsten Thema wären:

die Straße
… ist total sauber.

die Technik
… hat jeden fest im Griff (siehe oben).
… ist vor allem in der Erscheinungsform Samsung Note (? – dieses Riesenhandy, ihr wisst schon) und mit großem Abstand auf Platz 2 iPhone anzutreffen. Wirklich fast jeder hat hier ein halbes Tablet am Ohr.

das WiFi
… gibt’s überall umsonst: am Flughafen, im Bus, sogar im Tempel gibt’s Tao Net – neues Geschäftsmodell für die Kirche? Da würden sich auf jeden Fall schlagartig mehr Leute in ihre Nähe wagen.
… lässt einen auch auf Facebook und Co.

Und last but not least:
das öffentliche Klo
… ist total sauber.