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Einstürzende Neubauten

Ich verbringe momentan viel Zeit im Internet, lese die ganzen Newsticker von SZ und Tagesschau, die Updates der WHO, des BfS, der Botschaft in Beijing und Tokyo, des Auswärtigen Amtes, Greenpeace,  usw. Außerdem gucke ich öfter die CCTV-Nachrichten. Bis jetzt sieht es wettertechnisch gut für uns aus, das verseuchte Zeug wird wohl vorerst nicht Richtung Festland gepustet. Im Bohai- und im Gelben Meer sowie an der Küste stehen angeblich viele Messgeräte, die eine erhöhte Radioaktivität anzeigen werden. Hoffen wir, dass das alles stimmt und funktioniert. Während im chinesischsprachigen Internet die Panikmache ausgebrochen sein soll, ist es tatsächlich sehr ruhig hier. Nur mit einer Studentin habe ich mich ein bisschen darüber unterhalten. Besorgt und schockiert sind natürlich trotzdem alle. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

Und ich hatte noch mit dem Gedanken gespielt, mir während meiner Zeit hier ein paar Tage Japan anzusehen. Das kann ich mir jetzt wohl für die nächsten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, an den Hut stecken.

Täusche ich mich oder gab es in den vergangenen Jahren wirklich besonders viele extrem schlimme Naturkatastrophen? Oder liegt es daran, dass ich vor 10 Jahren noch nicht Zeitung gelesen habe?

Und jetzt zu den guten Nachrichten: Seit gestern ist Muki bei mir. Heute Mittag nach meinem Unterricht haben wir uns gepflegt den Bauch mit gutem Essen vollgehauen – sowas macht doch zu zweit gleich viel mehr Spaß.

 

Regentanz

Gestern soll der wärmste Tag bisher gewesen sein. Es war auch wirklich schön warm, allerdings wieder bedeckt. Ich wollte den Tag passenderweise eigentlich im Sonnentempel, dem Ritan-Park 日坛公园, verbringen. Vorher habe ich allerdings im Internet gelesen, dass dieser Park mittlerweile in erster Linie ein Kinderspielplatz mit Hüpfburg, Minigolf usw. ist. Also bin ich lieber in den Erdtempel, den Ditan-Park 地坛公园, gegangen. Es wurden hier während der Ming-Dynastie (1368-1644) fünf Tempel angelegt: Der Erdtempel im Norden, der Himmelstempel im Süden, der Sonnentempel im Osten, der Mondtempel im Westen und der Landestempel in der Mitte. Der bekannteste ist heute mit Sicherheit der Himmelstempel Tiantan 天坛, der mit seinen blauen Dächern besonders hervorsticht. Obwohl weniger bekannt, überhaupt nicht touristisch und viel kleiner, war der Ditan-Park auch sehr schön. Absolut ruhig, keine Souvenirstände, nur Familien auf Wochenendausflug, viele Bäume und Vögel und ein riesiger Altar auf einer Plattform, der von zwei konzentrischen Mauern umgeben ist. Außerdem hat der Park um den Altar noch eine kleine Abteilung zur chinesischen Medizin, wo auf Tafeln das ein oder andere erklärt wird und große Persönlichkeiten vorgestellt werden. Das ganze ist von Steingärten, kleinen Brücken über (trockene) Bäche, Tingzi und geschmückten Korridoren umgeben. Zu meinem Leidwesen war aber auch im Ditan-Park ein Golfanlage, allerdings keine große, und ein Kinderspielplatz. Zum Glück nicht weiter auffallend oder aufdringlich.

Den Rest des gestrigen Tages habe ich vor Fernseher und Computer verbracht und die Geschehnisse um die AKWs in Fukushima verfolgt. Ich bin nur etwa 2000km davon entfernt und hoffe inständig auf Regen und Wind Richtung Pazifik.