Archiv der Kategorie: Erwai 2011

Letzter Unterrichtstag

Gerade habe ich die letzte Klasse verabschiedet. Damit ist mein Praktikum vorbei. Plötzlich ging alles sehr, sehr schnell. Insgesamt 1o Wochen war ich hier. Auf dem Boden liegt schon mein Koffer und wird langsam gefüllt. Hoffentlich kriege ich mein ganzes Zeug wieder nach Hause.

Die Klassen sind so lieb, ich kanns echt kaum fassen. Sie haben mich mit Geschenken überhäuft. Kuchen, Büchlein, Fotoalbum, selbstgemachter Film, Karottenanstecker, Bärchenanhänger, Seidenschal, Spezialitäten, Lollis, Zeichnungen. Ich bin echt gerührt. Meine Evaluationsbögen haben sie auch alle brav ausgefüllt und wahnsinnig nette Kommentare geschrieben. So viele nette Menschen machen einem den Abschied schon etwas schwer… (siehe Abschied)

Morgen ist offizielles Abschiedsessen mit der Dekanin und dem Prodekan und am Freitag wird das Zimmer gecheckt. Samstag früh gehts dann mit Umweg über London nach Hause.

Ausflug nach Kleindeutschland

Heute war ich ein Weilchen auf deutschem Boden. Da meine alte Schule die „Deutschte Botschaftsschule Peking“ ist, macht sie von außen den Eindruck, ein Gefängnis zu sein. Mehrere Zäune mit Spitzen oben, Wachpersonal usw. Das ganze war zu meiner Zeit dort nicht so, aber nachdem 2002 über 100 Nordkoreaner die Schule gestürmt und dort, weil exterritorial, Schutz gesucht haben, wurde die Schule zum Hochsicherheitstrakt umgebaut. Jedenfalls war ich heute da. Und zwar mit dem Vorstand des Elternbeirats, den ich auf der Tagung in Zhengzhou kennengelernt hatte. Er hat vor ein paar Jahren auch mal als Lektor an der Erwai gearbeitet und ist jetzt Außenstellenleiter des DAAD in Peking.

Abgesehen von der alten Schule habe ich heute auch Kleindeutschland besucht. In der Gegend um die Landmark Towers (U-Bahn Liangmaqiao 亮马桥) ist nicht nur der Lufthansacenter (katastrophal teuer, da kann man sich noch nicht mal ein winziges Notizbuch leisten), sondern auch das Paulaner Hofbräuhaus (da riechts überall so dermaßen nach Erbsensuppe, noch schlimmer als bei Kitzmann in Erlangen!), der österreichische Konditor (1 Ministückchen zugegebenermaßen extrem lecker aussehender Kuchen kostet 35¥) und weitere Heimathäfen für gestrandete Expats bzw. in erster Linie deren Gattinnen. Man bekommt hier für 70¥ belegte Semmeln und für noch viel mehr auch das ein oder andere Schwarzbrot. Im Paulaner, der von einem Münchner geführt wird, können Chinesen ihr Deutschlandbild so richtig ausleben – Samstags spielen da die Wildecker Herzbuben (oder sowas in der Art) und die chinesischen Gäste schuhplatteln. Schweinebraten etc. ist ab 300¥ zu haben. Achja, am Sonntag gibts ein Superangebot, es findet nämlich ein Osterbrunch für knapp 600¥ pro Person statt! Kinder nur 200¥! Und Champagner soviel, wie man will.

Heute war jedenfalls eine äußerst interessante Exkursion für mich. Einerseits habe ich Orte gesehen, an denen ich früher täglich war (und die sich natürlich in den letzten 10 Jahren sehr verändert haben), andererseits habe ich Orte gesehen, an denen ich unter keinen Umständen mehr Zeit als unbedingt notwenig verbringen will. Auf jeden Fall war das heute nicht China.

 

Tag am Meer: Sommerpalast #2

Die Frühlingsstürme kommen doch noch. Heute früh war es noch sehr warm, am Sommerpalast angekommen gab es schon Sprühregen und dann kam der Sturm. Die Atmosphäre war ganz besonders, teils blauer Himmel, teils ganz dunkle Wolken, Stürme, Sonne. Die Sonntagstouristen hatten Kränze in den Haaren, die Frauen Plastikblumen, die Männer Weidenkränze. Die Luft war so klar, dass man die Farben der großen Pagode auf dem Xiangshan 香山 sehen konnte. Sofern man keinen Sand in den Augen hatte. Insgesamt kamen wir uns vor wie am Meer. Sand, Sonne, Sturm, hohe Wellen. Traumhaft.

wieder online

So, nachdem hier 24 Stunden das Internet gekappt war, bin ich wieder online (zumindest vorübergehend). Generation 2.0 merkt und leidet natürlich sofort, wenn die Welt hinterm Bildschirm verschlossen bleibt.

Es haben sich noch schöne Dinge für das Wochenende ergeben: Morgen gehe ich mit Julia und ihrem Vater und vielleicht auch Katrin in den Sommerpalast, passend zum sommerlichen Wetter. Danach steht ein Treffen mit dem DAAD-Lektor hier auf dem Plan. Und heute werde ich wohl mal in die Stadt zum großen Buchladen in der Wangfujing fahren.

Draußen ist alles grün, der Flieder blüht, die Campuskatzen hängen in der Sonne rum und vom Tennisplatz gegenüber tönen die Aufschläge und die Kommentare des Trainers.