Von Ziegen, Banyan-Feigen und Revolutionären

Guangzhou ist die Stadt der Ziegen. Die Karte für die Öffentlichen heißt Yang Cheng Tong 羊城通, also Ziegenstadt-Verbindung. Das Wahrzeichen ist ein Denkmal mit 5 Ziegen. Der Legende nach befreiten nämlich 5 Heilige, die auf 5 Ziegen auf die Erde kamen, die Stadt von einer Hungersnot.
Ebenfalls wichtig und allgegenwärtig sind hier die beeindruckenden Banyan-Feigen. Das sind ganz besondere Bäume, die auf anderen Bäumen wachsen und über die krassesten Wurzeln verfügen, die ich je gesehen habe. Es lohnt sich, die mal zu googlen. Hier sind sie so beliebt, dass sie sogar einen Tempel bekommen haben: den sechs-Banyan-Tempel, Liurong Si.
Außerdem ist hier ein äußerst revolutionärer Ort. Auf dem Weg hierher sind wir schon durch Zhongshan gefahren, Sun Yatsens Geburtsort. Hier in Guangzhou ist der große Revolutionär auch überall vertreten; heute waren wir bei seinem Denkmal im Yuexiu Park und in der Gedenkhalle, die für ihn gebaut wurde. Das Denkmal ist übrigens mit Ziegenköpfen verziert. Außerdem gibt es natürlich die Sun Yatsen Universität und darüber hinaus verschiedene Denkmäler für andere Revolutionäre und Wegbereiter der Republik – wir haben heute Wu Tingfangs (1. Außenminister der Republik und Diplomat) Grab besucht.

Was mich seit unserer Ankunft hier sehr überrascht hat, ist die Tatsache, dass auf einen Schlag nach der „Grenze“ zu Macau das Essen ganz anders ist. Ich muss nämlich ganz ehrlich sagen, dass ich als Vegetarier in Hongkong und Macau durchaus Schwierigkeiten hatte, was Gutes zu essen zu finden. Die Leute sind dort völlig ratlos, was sie dir geben sollen, wenn kein Fleisch oder Meeresfrüchte dabei sein sollen. Hier auf dem „Festland“ ist das, wie ich es aus dem Norden kenne, überhaupt kein Thema, da sowieso viele der Standardgerichte ohne Fleisch sind. Auch wird hier in Kanton, wie die Stadt im Westen genannt wird, deutlich mehr Chinesisch gesprochen als in Hongkong. Kantonesisch ist schon auch immer zu hören, allerdings nicht öfter als die Standardsprache.

Aufgrund der notorischen Zugticketengpässe in China haben sich übrigens unsere Pläne zwangsläufig geändert. Das mit Shanghai wird leider nichts; die Züge waren restlos ausverkauft und Stehplätze auf einer 20stündigen Zugfahrt wollten wir uns nicht antun. Wir bleiben also erstmal bei Chunhua in der Ziegenstadt.

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