Die Rollerstadt

In Macau wohnen ca. 550 000 Menschen und etwa 550 000 von ihnen fahren einen Roller. Die Stadt ist voller Roller, überall rollt, rattert und qualmt es. Und wer seinen Roller gerade auf einem der riesigen Rollerparkplätze geparkt hat, fährt mit dem Bus, denn Macau ist so klein, dass es keine U-Bahn hat. Überall sausen große und kleine ratternde und emissionsintensive Busse umher. Zu denen gehören auch die Kasino-Shuttlebusse, denn hierher kommen die reichen Chinesen, um zu spielen. Macau ist die einzige Stadt in China, in der Glücksspiele erlaubt sind. Auch wir sind mit so einem Kasinobus gefahren – denn die sind umsonst. Es ist nämlich so, dass die normalen Busse kein Wechselgeld geben und man daher passend zahlen muss. Wenn dann zwei Touristen gerade mit dem Boot aus Hongkong angekommen sind, sich am Geldautomaten ein paar hundert Mops geholt haben, um die folgenden zwei Tage zu finanzieren, haben sie natürlich leider keine 4,20 Mops klein. Und dann können sie auch leider nicht mit dem Bus fahren, weil ihnen nirgendwo Geld gewechselt werden kann an diesem Hafen. (Kleiner Einschub: die Währung hier heißt Mops. OK, sie heißt genau genommen MOP$, aber lasst sie uns Mops nennen) Also empfiehlt die Infodame am Hafen, den kostenlosen Kasinobus zu nehmen, ob man nachher spielt, ist dem Busfahrer nämlich wurscht.
Roller kann man sich hier an jeder Ecke für wenige Euro mieten. Wir haben – glücklicherweise, wie ich im nachhinein sagen muss – beide unseren Führerschein zuhause gelassen, also sind wir zu Fuß gegangen. In diesem unglaublichen Verkehrschaos, das zu allem Überfluss auch noch Linksverkehr hat, wäre das nicht gut ausgegangen.
Macau ist nämlich ziemlich unübersichtlich und die Stadtpläne sind nur grobe Orientierungshilfen, da nur große Straßen mit Namen versehen sind. Aber andererseits macht das auch nicht wirklich viel, da die Stadt überraschend klein ist und man im Nu von A nach B gelaufen ist. So sind wir heute sehr viel gelaufen.
Als erstes waren wir bei der Ruine von St Paulo, dem Wahrzeichen der Stadt. Eine riesige Freitreppe führt zu einer Kathedrale hinauf – dahinter ist aber nichts, da abgebrannt. Nur die Fassade steht noch und die ist in der Tat sehr schön. Neben St Paulo ist auf dem Berg ein großes Fort mit dem Macau Museum, das wir natürlich besucht haben.
Nach zwei Parks sind wir dann beim Lian Feng Miao, einem sehr schönen Tempel, gewesen. Dort hat vor dem Opiumkrieg Commissioner Lin seine Besprechungen abgehalten. Ebenfalls politisch bedeutend war der Kun Lam Tempel, den wir danach besucht haben. Hier wurde nämlich 1844 der Vertrag zwischen China und den USA unterzeichnet, der letzteren dieselben Rechte einräumte, die England sich nach dem Opiumkrieg erzwungen hatte.
Das nächste Highlight war der Luo Lim leoc Garten, einer tollen grünen Anlage mit – wie immer – Steingärten, Schildkröten, Fischen, Bambus, Palmen, Pavillons usw. Das Sun Yatsen-Gedächtnishaus war leider schon geschlossen, als wir ankamen, konnten es also nur von außen sehen.
Als letztes waren wir in der Rua da Felicidade – in dieser kleinen Straße gleich bei unserem Hotel wurden Teile des Indiana Jones-Films Tempel des Todes gedreht.

Insgesamt ist es hier wirklich ein interessanter Mix aus Portugiesischem und Chinesischem. Die Straßen sind manchmal wirklich wie in Südeuropa. Die Souvenirshops verkaufen portugiesisches Zeug und überall werden die portugiesischen Eiertörtchen angeboten. Portugiesisch hört man allerdings nicht auf der Straße; die meisten sprechen wie in Hongkong Kantonesisch. Nur manchmal sieht man Einheimische, die offensichtlich europäische Vorfahren haben. Die Straßenschilder und alle Hinweise und Verbote sind aber immer noch auf Chinesisch und Portugiesisch – oft aber auch auf Englisch.

Morgen geht es weiter nach Guangzhou.

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