Lantau

Lantau ist die große westliche Insel von Hongkong, an die auch die Flughafeninsel angeschlossen ist. Wir sind gestern früh mit der Fast Ferry hingefahren, bzw übers Wasser gehopst. Für nervöse Mägen wäre das nichts gewesen. Vom Hafen Mui Wo fuhr ein Bus, dessen Fahrgäste mit Ausnahme von uns einer Rentner-Kaffeefahrt glichen, zum Tian Tan Buddha, dem größten sitzenden Buddha unter freiem Himmel. Die Fahrt die kurvigen Bergstraßen hinauf wäre auch nichts für nervöse Mägen gewesen. Oben angekommen haben wir zusammen mit vielen anderen noch ein paar hundert Stufen auf uns genommen und wurden mit einer wirklich sehr schönen Buddha-Statue belohnt, außerdem mit einem tollen Ausblick auf das Meer und die Inseln. Dass der ganze Komplex erst 20 Jahre alt ist, merkt man gar nicht.

Anschließend sind wir weiter mit dem Bus nach Tai O gefahren, einem alten Fischerdorf auf Lantau. Auf dem Weg dorthin ist allerdings etwas passiert. Kurz nachdem der Bus losgefahren war, hielt er, um eine Gruppe Touristen aufzusammeln – optisch gleich als Deutsche zu erkennen. Das war aber noch nicht alles – als die Gruppe den Bus betrat, stellte sie sich als Fraktion des SV 49 heraus. Die Fahrt nach Tai O gab dem Wort „fremdschämen“ eine ganz neue Bedeutungsdimension. Ich kann nicht wiedergeben, über was die Schwaben geredet haben, aber es war laut und inhaltlich sehr dummes Zeug (Schuldzuweisungen, warum man nicht auf den Bus gewartet habe, sondern zu Fuß die paar Meter gegangen sei, siehschte, hab isch doch glei gesagt, da hätte mer gar nischt laufe müsse). Als wir diese Episode hinter uns gebracht hatten, mussten wir uns erstmal erholen. In Tai O sind wir durch die Straßen spaziert und haben die schäbige Idylle genossen, die dieser Ort ausstrahlt. Die Häuser der Bewohner sind zu großen Teilen provisorisch zusammengezimmert, teils aus Containern, teils aus Holz, teils auf Stelzen im Wasser – ich würde das auf keinen Fall als Slums bezeichnen, da die Häuser sauber, stabil und irgendwie keineswegs beklemmend oder dergleichen wirkten. Die Bewohner sind zum Teil immer noch Fischer und dementsprechend wird überall Fisch in allen Formen angeboten. Vor allem getrockneter Fisch ist überall zu kaufen – und zu riechen. Und sehr zu meinem Leidwesen gibt es auf Lantau viele große, unangeleinte Hunde, von denen man nicht so richtig sagen kann, ob es sich um Straßenköter handelt oder ob sie doch irgendeiner Hütte zuzuordnen sind. Naja, so schlimm war es auch nicht, aber ich habs ja von Haus aus nicht so mit den schnüffelnden Vierbeinern. Nach einem Strandspaziergang am Silvermine Beach in Mui Wo sind wir dann zurück nach Central gefahren und dort in die Livemusik-Bar The Wanch gegangen. Dort hat eine junge chinesische Band gespielt, hat uns sehr an unsere eigenen ersten Auftritte erinnert. Das Qingdao Bier in diesem Schuppen kostet 5,50€!

Den krönenden Abschluss des Tages gab es bei Ken Wo in seinem Restaurant One Dim Sum in Kowloon. Ken Wo hat in Zürich die Hotelfachschule besucht und spricht daher ein wenig Deutsch – lustigerweise mit schweizer Akzent. Er hat uns ganz rührend betreut – auf jeden Fall eine gute Adresse, denn das Restaurant ist auffallend günstig und hat einen Michelinstern.

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