Wadlhauptstadt

Es wird immer besser mit dem Jetlag: in der ersten Nacht war ich um 1 Uhr wach, in der zweiten um 2:50 und diese erst um 6. Dafür bin ich in meiner Bewegung etwas eingeschränkt, da ich mordsmäßigen Muskelkater in den Waden habe (Muki auch, daher fühle ich mich nicht ganz so unsagbar unsportlich). Unsere Gewaltmärsche in den letzten zwei Tagen gingen durch den Stadtteil Central auf Hongkong Island, und da gibt es jede Menge Treppen; es liegt ja am Berg. Irgendwie haben wir es nie geschafft, die Rolltreppen zu nehmen. Aber der ambitionierte Tourist ist hart im Nehmen und ignoriert eisern die Pein.
Die gestrige Tour um die MTR-Stationen Sheung Wan und Wan Chai hatte vor allem Tempel als Ziel. Von den vielen (6), die wir gesehen haben, würde ich, da an Pekinger Ausmaße gewöhnt, nur zwei als kleine Tempel bezeichnen, die anderen eher als Schreine. Die Schreine bestehen nur aus einem kleinen schmalen Raum, der eine Statue beherbergt. Die beiden Tempel (Man Mo (= 文武) und Pak Tai (= 北帝)) waren ein wenig größer, bestanden im wesentlicher aber auch nur aus einer Halle und einem kleinen Vorplatz.
Den Man Mo Tempel konnten wir nur kurz von innen besichtigen, da dort das Anzünden von Räucherstäbchenbündeln im Tempel erlaubt ist (Rauchen aber nicht), d.h. man erstickt fast, wenn man den Raum betritt. Zusätzlich zum Räucherwerk, das die Besucher abbrennen, hängen an der Decke noch unzählige Räucherspiralen, die das Atmen komplett unmöglich, die Atmosphäre aber furchtbar feierlich machen.
Der lungenfreundlichere und daoistische Pak Tai Tempel zeichnete sich vor allem durch sein Personal aus: einem sagenhaft gesprächigen Aufseher und seiner Katze, die im Tempel wohnt. Der Tempel ist sehr bunt und wie auch der Man Mo voller Opfergaben: Obst, Kekse, Säckchen mit Reis und noch mehr Obst. Draußen stehen Kübel mit Mandarinen- und Glückskürbisbäumchen. Definitiv ein schöner Ort, auch, obwohl der bärtige Daoist einem die Hucke vollschwatzt und kaum noch gehen lässt.
Eine interessante Erkenntnis unserer Tempeltour war, dass hier kein Eintritt für Tempel verlangt wird. In China kostet das sonst immer was.
Den Abend haben wir auf einem ganz wunderbaren Markt in Wan Chai verbracht – Stände über Stände mit allem, was das Herz begehren könnte…

[das mit den Fotos ist noch aufwändiger als anfangs gedacht… wir bleiben weiter dran!]

4 Gedanken zu „Wadlhauptstadt

  1. Wie schön, soviel Abenteuerliches von euch zu lesen!! Wie kommt ihr mit eurem Hochchinesisch klar? Oder benutzt ihr Englisch als Lingua Franca 😉

    1. Das mit der Sprache ist ganz interessant: man hört auf der Straße relativ viel Putonghua, die Verkäufer in Läden, an Ticketboxen usw. (also Einheimische) sprechen aber alle Kantonesisch. Wenn ich sie auf Chinesisch was frage, verstehen sie immer, was ich will, antworten aber oft auf Englisch mit kantonesischen Ortsbezeichnungen oder auf ziemlich schwer verständlichem Chinesisch. In der U-Bahn kommen alle Durchsagen dreisprachig: erst Kantonesisch, dann furchtbar deutlicht auf Putonghua und dann noch einmal auf Englisch. Es ist also in jedem Fall gar kein Problem, hier rumzukommen 🙂

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