Ausflug nach Kleindeutschland

Heute war ich ein Weilchen auf deutschem Boden. Da meine alte Schule die „Deutschte Botschaftsschule Peking“ ist, macht sie von außen den Eindruck, ein Gefängnis zu sein. Mehrere Zäune mit Spitzen oben, Wachpersonal usw. Das ganze war zu meiner Zeit dort nicht so, aber nachdem 2002 über 100 Nordkoreaner die Schule gestürmt und dort, weil exterritorial, Schutz gesucht haben, wurde die Schule zum Hochsicherheitstrakt umgebaut. Jedenfalls war ich heute da. Und zwar mit dem Vorstand des Elternbeirats, den ich auf der Tagung in Zhengzhou kennengelernt hatte. Er hat vor ein paar Jahren auch mal als Lektor an der Erwai gearbeitet und ist jetzt Außenstellenleiter des DAAD in Peking.

Abgesehen von der alten Schule habe ich heute auch Kleindeutschland besucht. In der Gegend um die Landmark Towers (U-Bahn Liangmaqiao 亮马桥) ist nicht nur der Lufthansacenter (katastrophal teuer, da kann man sich noch nicht mal ein winziges Notizbuch leisten), sondern auch das Paulaner Hofbräuhaus (da riechts überall so dermaßen nach Erbsensuppe, noch schlimmer als bei Kitzmann in Erlangen!), der österreichische Konditor (1 Ministückchen zugegebenermaßen extrem lecker aussehender Kuchen kostet 35¥) und weitere Heimathäfen für gestrandete Expats bzw. in erster Linie deren Gattinnen. Man bekommt hier für 70¥ belegte Semmeln und für noch viel mehr auch das ein oder andere Schwarzbrot. Im Paulaner, der von einem Münchner geführt wird, können Chinesen ihr Deutschlandbild so richtig ausleben – Samstags spielen da die Wildecker Herzbuben (oder sowas in der Art) und die chinesischen Gäste schuhplatteln. Schweinebraten etc. ist ab 300¥ zu haben. Achja, am Sonntag gibts ein Superangebot, es findet nämlich ein Osterbrunch für knapp 600¥ pro Person statt! Kinder nur 200¥! Und Champagner soviel, wie man will.

Heute war jedenfalls eine äußerst interessante Exkursion für mich. Einerseits habe ich Orte gesehen, an denen ich früher täglich war (und die sich natürlich in den letzten 10 Jahren sehr verändert haben), andererseits habe ich Orte gesehen, an denen ich unter keinen Umständen mehr Zeit als unbedingt notwenig verbringen will. Auf jeden Fall war das heute nicht China.

 

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