der erste freie Tag

Nachdem ich diese Woche schon vier mal zwei Stunden Unterricht sowie eine Sitzung hatte, war gestern mein erster freier Tag. Traditionellerweise haben wir ihn im Sommerpalast Yiheyuan 颐和园 verbracht, einer riesigen Parkanlage mit Seen, Tempeln, Marmorbrücken usw. im Nordwesten der Stadt. Das Wetter war zum ersten Mal klar und der Himmel blau! Dafür war es umso kälter. Anders als die meisten haben wir nicht den Haupteingang genommen, sondern sind am südlichen Ende des Parks durch das sogenannte Nan Ruyi Men 南如意门 hineingegangen, wo gerade ein paar Eisschwimmer gebadet haben. Die Gewässer im Palast sind noch fast alle zugefroren. Auf einem langen Spaziergang haben wir die Seen umrundet, die vielen Brücken mit kleinen Pavillons, den sogenannten Tingzi 亭子, überquert und schließlich auch einen neuen Bereich mit langem Korridor erreicht. Dort war es besondern schön, da keine Touristen da waren und einfach ein paar Beijinger den Sonnenschein genossen haben. Ein Flötist hatte einen Kassettenrecorder dabei, zu dessen Gedudel er gespielt hat; einige Paare haben zu alten Liedern getanzt, alte Damen haben Karten gespielt und gepicknickt – eine schöne Szene. Die bekannten Sehenswürdigkeiten des Palastes waren natürlich voller Touristen, wenn auch nicht so voll wie im Sommer. In der Touristenecke war auch ein weiterer Musiker, der für akustische Unterhaltung gesorgt hat. Er hat zwei chinesische „Geigen“ Erhu 二胡 gleichzeitig gespielt – und so klang es auch. Die Parkbesucher starrten ihn fassungslos an, was ihn dazu ermutigt hat, noch lauter und kräftiger zu sägen. Die Standbesitzer der umliegenden Souvenirstände waren sichtlich genervt, haben aber von sich aus nichts gesagt. Ich war kurz vor dem Gehörsturz, habe mich aber so nah herangetraut, dass ich ein kleines Video machen konnte. Wenn die Verbindung mitspielt, lade ich es die nächsten Tage hoch, dann kommt ihr auch in den Genuss 😉

Nach dem langen Parkspaziergang sind wir zum Qian Men 前门, das südlich des Tian’anmen-Platzes liegt, gefahren. Dort war früher das „alte Beijing“, jenseits des modernen Touristenrummels. Heute ist es eine der wenigen Fußgängerzonen, vollständig renoviert und sehr touristisch. Trotzdem ist es eine wirklich schöne Straße, bunt mit Lampions dekoriert und voller westlicher Läden (H&M, Zara, Starbucks, …). Geht man in eine Parallelstraße, sieht es wieder ganz anders aus: enge Gassen mit schreienden Imbissbudenbesitzern, kleine Lädchen, Restaurants, Gemüsestände – man ist wieder in China. Wir haben in einem dieser Restaurants Feuertopf Huoguo 火锅 gegessen, was sehr lecker war. Leider habe ich mich an der scharfen Brühe verschluckt, das war überhaupt nicht witzig, ich konnte sehr lange nur husten und kaum atmen. Ziemlich übel, das sollte einem nicht passieren. Danach war es aber sehr gut 😉

Unter „Fotos“ gibts wieder ein paar Neue.

Machts gut, ich melde mich wieder.

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